Berlin ist ganz anders als ursprünglich erwartet. Ganze 3 Monate kehre ich jetzt täglich nach der Arbeit in unsere kleine Wohnung im Prenzlauer Berg zurück. 3 Monate sind eigentlich eine verdammt lange Zeit, doch irgendwie sind die letzten 3 Monate wie im Flug vergangen. Seitdem wir relativ kurzfristig alle Sachen in Bonn gepackt und nach Berlin transportiert haben ist unendlich viel passiert.

Und irgendwie fühlt es sich noch immer ein bisschen falsch an die neue Postleitzahl zu schreiben, auf dem Kennzeichen ist noch immer BN vermerkt und irgendwie ist meine Vorwahl jetzt 030 und nicht mehr 0228.
Ich muss zugeben, wir haben uns ein bisschen blauäugig in das Haifischbecken Berlin geschmissen, mit der Hoffnung und dem Vertrauen mit schwarzen Humor und Kölscher-Lockerheit hier irgendwie anzukommen. Doch tatsächlich sind die (Ur-)Berliner doch ganz anders als erwartet, aber genauso wie Ihr Ruf Ihnen vorauseilt. Tatsächlich waren die ersten 3 Monate Berlin recht schwe. Denn in Berlin findet man zwar schnell nette Bekanntschaften die mit einem Bier anstoßen, aber mehr als ein lustiger Abend ist da oft auch nicht drinnen. Freunde finden ist in einer so großen und anonymen Stadt wie Berlin tatsächlich unfassbar schwer. Und generell, wie findet man mit 25 neue Freunde? In der Realität geht man nämlich nicht einfach los und findet diese! Ne! Das stellt man sich zwar immer so vor aber ich kann euch versichern, das is echt nicht so!

Nach 3 Monaten Berlin fühle ich mich noch immer wie in meiner ersten Woche. Ich glaube um hier anzukommen bedarf es einige Monate, wenn nicht Jahre. Ich kann mir gut vorstellen, dass einige vorher aufgeben, die grade ausgepackten Sachen wieder zusammenfaltet und zurück in den Umzugskarton packt. Inzwischen finde ich den Weg zur Arbeit, weiß ungefähr wo mein Kiez liegt und weiß schon fast welche Uhrzeit dreiviertel Sechs ist. Also bin ich quasi Berliner. Ich kann auch schon fast Berlinern und rege mich fast ähnlich häufig über Touristen auf. Ich war schon fast am Wannsee und habe fast eine Berliner Weiße genoßen und ich kann mich fast mit dem Wort “Fasching” anfreunden (auch wenn ich jedes Mal eine Gänsehaut bekomme). Ich habe sogar schon fast ein Mate-Getränk getrunken ohne mit der Wimper zu zucken! Aber so richtig.. dafür brauche ich bestimmt noch einiges an Zeit!

Bis dahin freue ich mich besonders über ein frisch gezapftes Kölsch, wenn es beim Bäcker Brötchen statt Schrippen gibt und über jeden Anruf mit der Vorwahl 0228 auf dem Display. Also so richtig heimisch ist dann doch nur Bonn und mein Rheinland.



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